Nesselsucht

Nesselsucht , medizinisch Urtikaria genannt, bezeichnet eine Reaktion der Haut auf verschiedenste Auslöser. Der Name, ist auf die Symptome, dieser nicht-ansteckenden Krankheit zurückzuführen.
Hauptsymptom sind die sogenannten Quaddeln, flüssikeitsgefüllte Bläschen, welche sich weißlich bis rot von dem umgebenden Gewebe abheben und sich ähnlich darstellen, wie bei einer Berührung mit einer Brennessel. In manchen Fällen werden die Quaddeln von einem roten Hof umgeben.
Begleitet werden diese, bis zu handtellergroßen Quaddeln, von starkem Juckreiz.
Vorwiegend tritt die Urtikaria an Armen, Beinen, Zehen, Fingern, Kopf und Nacken, bei Männern auch an den Genitalien auf. Der Hautausschlag ist zum restlichen Hautgewebe deutlich abgegrenzt, kann aber im Verlauf wandern.

Eine Besonderheit der Nesselsucht, ist das Quincke-Ödem, bei dem die Symptome vorwiegend im Bereich des Gesichtes, im Mund- und Rachenraum und eventuell auch im Kehlkopfbereich auftreten können. Als Folge dieser starken Schwellungen, kann dann eine starke Atemnot resultieren, welche intensivmedizinisch behandelt werden muß.

Man unterscheidet die akute und die chronische Verlaufsform. Während bei der akuten Form nach spätestens vier bis sechs Wochen alle Symptome vergehen, bleiben sie bei der chronischen Form manchmal Monate bis Jahre. In vielen Fällen verschwinden sie bereits nach wenigen Minuten. In Deutschland gibt es circa 1 Million Betroffene von denen 800 000 an der chronischen Verlaufsform leiden.

Die Ursachen sind sehr vielfältig und oft schwer herauszufiltern. Die Nesselsucht kann physikalische Ursachen haben oder durch eine allergische Reaktion des Körpers hervorgerufen werden. Lebensmittel wie zum Beispiel Sellerie, Nüsse, Erdbeeren oder Speiseöle sind als Allergene häufig, aber auch Medikamente wie Penicillin oder Aspirin, sowie Röntgenkontrastmittel sind als Auslöser bekannt. Viele Betroffene haben Probleme mit sogenannten Kontaktallergenen, wie zum Beispiel Latex, Pollen oder Mehl. Ferner lösen auch Streß, Tabakrauch und Infekte wie zum Beispiel Gelbsucht oder der Magenkeim “Helicobakter pylori” eine Urtiakria aus.

Die physikalischen Auslöser sind natürlich um einiges leichter zu vermeiden. Oft entsteht der Hautausschlag der Nesselsucht schon durch mechanischen Druck oder Wärme, wie zum Beispiel beim Tragen eines Rucksacks. Dann können sich durch Reibung auf der Haut, die typischen Quaddeln zeigen. Bei diesem Typ wird von einer Fehlfunktion der Histaminausschüttung ausgegangen.
Es gibt den urtikariellen Dermographismus, wie eben beschrieben zeigt sich hier der Ausschlag entlang der mechanischen Reize. Auslöser wie Sonne, Wärme, Kälte oder Vibration werden als Pseudoallergene bezeichnet.
Eine weitere Sonderform ist die cholinergische Urtikaria, bei der die Reaktion durch ein Ansteigen der Körpertemperatur ausgelöst wird. Wenn der Betroffene zum Beispiel Sport treibt, in die Sauna geht, scharfes Essen zu sich nimmt, zeigt sich die Nesselsucht.

Auf Grund dieser Vielfalt an Allergenen und Pseudoallergenen, ist eine gründliche Anamnese für die Behandlung enorm wichtig. Ein Tagebuch mit Notizen zu allen Symptomen und ein Ernährungsprotokoll können sehr hilfreich sein, um den Auslöser einzugrenzen.
Eine weitere Möglichkeit zum Aufdecken des Allergens, ist der Prick-Test. Bei dem Test wird über angeritzte Haut das potentzielle Allergen in die Haut eingebracht und auf eine örtliche Reaktion gewartet. Bei einem Treffer, zeigen sich meist innerhalb weniger Minuten, die Quaddeln der Urtikaria. Oftmals sind aber auch mehrere Allergene auslösend und der Prick-Test bleibt erfolglos.
Wenn Betroffene stark unter den Quaddeln und dem Juckreiz leiden, ist eine Therapie mit Antihistaminika möglich.
Sofern die Quaddeln durch eine Immunreaktion des Körpers auf den Auslöser entstehen. Der Körper schüttet dann das sogenannte Histamin, einen Botenstoff aus den Mastzellen, aus und dieses sorgt für einen gesteigerte Durchlässigkeit der dermalen Blutgefäße. Flüssigkeit sammelt sich dann in kleinen Bläschen in der oberen Epidermis. Antihistaminika verhindern die übermäßige Ausschüttung des Histamins und verhindern somit die Symptomatik der Urtikaria. In schweren Fällen ist auch eine Behandlung mit Immunsuppressiva oder Kortison möglich.
Hilfreicher ist in den meisten Fällen eine gesunde Lebensführung, wie zum Beispiel das Vermeiden von Streß, Tabak und auch Alkohol.Wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, ist auch an eine unterstützende psychologische Therapie denkbar.